FAIR WEAR WORKS ist ein Projekt des Global Nature Fund um Unternehmen bei der nachhaltigen Beschaffung von Textilien zu unterstützen. Dieser Gastartikel wurde von Tim Stoffel, Global Nature Fund, verfasst.

Nachhaltige Kleidung war noch vor wenigen Jahren schwer zu finden und nicht immer modisch. Die Auswahl war klein und der Preis oft hoch. Heute gibt es ein breites Angebot an bezahlbaren Kleidungsstücken, die unter Beachtung von sozialen und ökologischen Kriterien hergestellt werden. Sie sind nicht nur in einer Vielzahl von Spezialgeschäften zu finden, sondern gehören immer häufiger auch zum Sortiment von großen Textilketten oder sogar Supermärkten.

Spezialtextilien waren lange eine Herausforderung für Nachhaltigkeitskriterien in der Produktion. Mittlerweile sind sie im Handel verfügbar.

Dieser Trend hat aber nicht nur Endverbrauchern und -verbraucherinnen das Leben leichter gemacht. Auch im Bereich der Arbeitsbekleidung oder bei Flachwäsche, z.B. Hand- und Tischtücher für die Gastronomie oder Bettwäsche für Hotels, hat sich das Angebot der steigenden Nachfrage angepasst. Immer mehr Spezialbekleidung, wie persönliche Schutzausrüstung in Form von Arbeitshose und -jacken auch mit Warnschutz, berücksichtigt ökologische und soziale Mindeststandards bei der Herstellung.

Die Besonderheit beim Einkauf von Unternehmen besteht darin, auf einen Schlag und immer wiederkehrend hunderte oder gar tausende Kleidungsstücke einzukaufen. Damit wird die Ausstattung der Mitarbeitenden sowie der kontinuierliche Nachschub an Bettwäsche und Handtüchern in Hotelketten gewährleistet. Unternehmenseinkäufe stellen demnach einen wichtigen Teil der Nachfrage dar: Mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro in Deutschland ist gerade die Berufsbekleidung ein wichtiger Hebel zur Schaffung nachhaltigerer Produktionsbedingungen.

Textilien sind eine "sensible Produktgruppe".

Daher wird es höchste Zeit für ein Umdenken im betrieblichen Einkauf. Schon seit Langem ist bekannt, dass bei der Herstellung unserer T-Shirts, Jeans und Hemden, aber natürlich auch von Arbeitsbekleidung und Hotellerie-Bedarf, soziale und ökologische Probleme entlang der internationalen Lieferketten auftreten. Der Blick auf das Etikett der Kleidung verrät, wo das Produkt geschneidert wurde: Bangladesch, Thailand, Indonesien oder Indien sind Beispiele von Ländern, in denen die Kleidung für den Rest der Welt genäht wird. Doch diese Stationen spiegeln nur einen kleinen Teil der Reise eines Kleidungsstücks wider. Denn ob die Baumwolle von einem Farmer in Burkina Faso, den USA oder in China angebaut wurde und in welcher Fabrik die synthetischen Fasern hergestellt wurden, erfahren wir nur selten. Gesponnen, gefärbt oder gebleicht werden Garne und Stoffe wiederum in anderen Ländern. Die Reise eines Kleidungsstücks ist also komplex und die Bedingungen, unter denen es hergestellt wurde, kaum nachvollziehbar.

Unter diesen Umständen kommt es beispielsweise oft zu sozialen Ungerechtigkeiten, besonders bei der Konfektion. Tage mit 16 bis 18 Arbeitsstunden sind keine Seltenheit; Löhne, die den Arbeiter*innen kaum zum Leben reichen, fehlende oder befristete Arbeitsverträge mit kurzen Laufzeiten sowie geschlechtsspezifische Gewalt gehören leider zum Alltag. Besonders im Baumwollanbau oder bei der Einbindung von Subunternehmen kommen oftmals Kinder- und Zwangsarbeit vor. Erschwerend kommt hinzu, dass die Vereinigungsfreiheit missachtet wird. Wenn es Gewerkschaften gibt, wird über die Benachteiligung, über Drohungen, Entlassungen oder gar Misshandlungen der Mitglieder berichtet. Dass diese Probleme explizit auch die Herstellung von Berufsbekleidung betreffen, zeigten Untersuchungen der Organisation FEMNET in Tunesien und Indien.

Ein zusätzlicher Aspekt ist die ökologische Problematik: Die Textilbranche ist der fünftgrößte Emittent von Klimagasen, sie verursacht jährlich mehr Emissionen als die gesamte Schifffahrt und alle Flüge zusammen. Die Emissionen entstehen vor allem durch den enormen Energieaufwand in den einzelnen Fertigungsschritten und bei der Herstellung von chemischen Stoffen, meist in Ländern, in denen die Energie vorwiegend aus Kohle gewonnen wird. Hinzu kommt die immense Menge an umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien, die in den verschiedenen Produktionsschritten verwendet werden. Allein auf den konventionellen Anbau von Baumwolle entfallen 25 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Insektiziden. Auch fehlende Kontrollen bei der Einleitung von Abwasser in Ökosysteme, der Baumwollanbau in Monokulturen sowie die Verwendung gefährlicher Chemikalien, die zu Schädigungen von Lebewesen, Arbeiter*innen und Anwohner*innen führen, sind problematisch.

Die Lösung: nachhaltiger Einkauf

Mit einem verantwortungsvollen Einkauf, bei dem auf die Einhaltung von sozialen wie ökologischen Mindeststandards geachtet wird, kann den zuvor beschriebenen Problemen entgegengewirkt werden. Markenunternehmen und Herstellerfirmen werden so dazu gedrängt, ihre Sorgfaltspflichten ernst zu nehmen und Prozesse umzusetzen, um Mindeststandards in ihren Lieferketten zu prüfen und bei Problemen auf Verbesserungen hinzuwirken.

Doch auf welche Kriterien sollten Unternehmen beim Einkauf achten und wie lässt sich deren Umsetzung überprüfen? Es ist nicht notwendig, ein detailliertes Fachwissen über Nachhaltigkeit für den Einkauf von Unternehmen oder Privatpersonen aufzubauen. Für die ersten Schritte auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Einkauf gibt es eine Reihe von Gütesiegeln und Initiativen, die eine glaubwürdige, transparente und nachvollziehbare Orientierung für die Einhaltung dieser Kriterien bieten. Online-Plattformen wie www.siegelklarheit.de sind für einen ersten Überblick geeignet. Für einen tieferen Einblick und Unterstützung beim effektiven nachhaltigen Textileinkauf gibt es Beratungsmöglichkeiten für Unternehmen. Die Global Nature Fund und FEMNET haben das Projekt FAIR WEAR WORKS ins Leben gerufen, um Unternehmen bei der nachhaltigen Beschaffung von Textilien zu unterstützen. Denn durch gezielte Einkaufsstrategien können die Arbeitsbedingungen entlang der globalen Lieferketten positiv beeinflusst und negative Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden. Auf diese Weise können insbesondere Unternehmen zu nachhaltigeren Konsum- und Produktionsmethoden beitragen.

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